Dermatologie

Plattenepithelkarzinom und Morbus Bowen – vom In-situ-Stadium zum invasiven Tumor

Das Plattenepithelkarzinom entsteht aus den Keratinozyten der Oberhaut – den Zellen, die auch bei aktinischen Keratosen verändert sind. Die Entwicklung verläuft typischerweise stufenweise: Aktinische Keratose (Präkanzerose) → Morbus Bowen (Carcinoma in situ, auf die Oberhaut begrenzt) → invasives Plattenepithelkarzinom (durchbricht die Basalmembran). Jede Stufe ist behandelbar – je früher, desto einfacher.

Der Morbus Bowen hat eine exzellente Prognose, weil er noch nicht in die Tiefe wächst. Das invasive Plattenepithelkarzinom kann bei fortgeschrittener Tumordicke, ungünstiger Lokalisation (Ohr, Lippe) oder Immunsuppression in Lymphknoten und andere Organe streuen – deshalb ist bei Risikotumoren eine weiterführende Diagnostik nötig.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Zweithäufigster Hautkrebs – entsteht meist aus aktinischen Keratosen auf UV-geschädigter Haut.
  • Kann metastasieren – im Unterschied zum Basaliom, deshalb vollständige Entfernung essenziell.
  • Morbus Bowen ist die Frühform – auf die Oberhaut begrenzt, exzellente Prognose, auch mit PDT behandelbar.
  • OP mit Schnittrandkontrolle – Standardtherapie, im eigenen OP-Bereich, Histologie im Labor.
  • Hochrisiko-Tumoren – Sentinel-Lymphknoten-Diagnostik und Anbindung an onkologische Zentren koordinieren wir.
Fakten

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Dermatoskopie, Probebiopsie oder Exzisionsbiopsie mit Histologie, Bestimmung der Tumordicke
Therapie der Wahl
Chirurgische Exzision mit Sicherheitsabstand und Schnittrandkontrolle (R0)
Betäubung
Lokalanästhesie, ambulant
Morbus Bowen
OP, PDT, Kryotherapie oder topische Therapie – je nach Größe und Lokalisation
Hochrisiko
Sentinel-Lymphknoten-Biopsie, Staging, Anbindung an dermato-onkologisches Zentrum
Fadenentfernung
Nach 7 bis 14 Tagen
Nachsorge
Strukturiert über mindestens 5 Jahre, Intervall nach Risikoprofil, Recall-System
Ablauf

Ihre Behandlung in 4 Schritten

  1. 1

    Diagnostik

    Klinische Untersuchung und Dermatoskopie. Typisch: raues, verhornendes, oft blumenkohlartiges Erscheinungsbild auf gerötetem Grund. Bei Verdacht erfolgt eine Probebiopsie oder Exzisionsbiopsie mit histopathologischer Aufarbeitung – zur Diagnosesicherung und Bestimmung der Tumordicke.

  2. 2

    Operative Entfernung

    Die chirurgische Exzision mit definiertem Sicherheitsabstand ist die Standardtherapie. Der Abstand richtet sich nach Tumordicke, Lokalisation und Risikofaktoren gemäß Leitlinie. Das Gewebe wird im Dermatopathologie-Labor auf tumorfreie Schnittränder untersucht. Bei Tumoren im Gesicht, an Ohren oder Händen ist eine gewebeschonende Schnittführung mit plastisch-rekonstruktivem Verschluss besonders wichtig.

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    Morbus Bowen – schonende Alternativen

    Da der Morbus Bowen auf die Oberhaut begrenzt ist, stehen neben der OP schonendere Verfahren zur Verfügung: Photodynamische Therapie bei großflächigen Veränderungen, Kryotherapie bei kleinen Einzelherden, topische Therapie mit immunmodulierenden oder zytostatischen Cremes. Die Wahl richtet sich nach Größe, Lokalisation und Ihren Wünschen.

  4. 4

    Hochrisiko-Tumoren und Nachsorge

    Bei Risikofaktoren koordinieren wir Sentinel-Lymphknoten-Biopsie, Staging und die Anbindung an ein dermato-onkologisches Zentrum – dort stehen bei fortgeschrittenen Tumoren Immuntherapien zur Verfügung. Die Nachsorge führen wir in unserer Praxis durch: strukturiert über mindestens 5 Jahre, mit klinischer Untersuchung, Dermatoskopie und bei Hochrisiko-Tumoren Lymphknotensonographie. Unser Recall-System erinnert Sie an jeden Termin.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Beim Plattenepithelkarzinom zählt jeder Millimeter. Die histologische Schnittrandkontrolle gibt uns die Sicherheit, dass der Tumor vollständig entfernt ist – und dem Patienten die Gewissheit, dass alles getan wurde.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Risikofaktoren – wann besondere Aufmerksamkeit nötig ist

  • Tumordicke über 6 mm: Erhöhtes Metastasierungsrisiko – weiterführende Diagnostik empfohlen.
  • Lokalisation: Tumoren an Ohr, Unterlippe, Schläfe und Kopfhaut haben ein höheres Risiko als am Rumpf.
  • Immunsuppression: Nach Organtransplantation oder unter immunsuppressiver Therapie treten Plattenepithelkarzinome deutlich häufiger auf und verlaufen aggressiver.
  • Chronische Wunden und Narben: Auf alten Verbrennungsnarben, chronischen Ulzera oder Strahlennarben können sich Plattenepithelkarzinome entwickeln (Marjolin-Ulkus).
  • Berufliche UV-Belastung: Bei Außenberufen als Berufskrankheit anerkannt – die Meldung übernehmen wir.
  • Histologischer Subtyp: Entdifferenzierte oder desmoplastische Formen wachsen aggressiver.

Nach der Behandlung – worauf Sie achten sollten

  • Die OP-Stelle beobachten: Ein lokales Rezidiv ist möglich. Achten Sie auf neue Verhornungen, Knoten oder nicht heilende Stellen im Bereich der Narbe.
  • Lymphknoten tasten: Bei Hochrisiko-Tumoren monatlich die regionären Lymphknoten abtasten – am Hals, hinter den Ohren, in Achseln oder Leisten. Neue Verhärtungen bitte sofort abklären lassen.
  • Aktinische Keratosen konsequent behandeln: Wer ein Plattenepithelkarzinom hatte, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Vorstufen. Jede raue Stelle gehört behandelt, bevor sie sich weiterentwickelt.
  • Sonnenschutz kompromisslos: LSF 50 auf allen sonnenexponierten Stellen, täglich, ganzjährig. Kopfbedeckung bei lichtem Haar.
  • Immunsuppression melden: Wenn Sie Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, informieren Sie uns – das Kontrollintervall muss dann enger sein.
  • Nachsorgetermine wahrnehmen: Über 5 Jahre – im ersten Jahr engmaschig, danach nach Risikoprofil. Wir erinnern Sie über unser Recall-System.
Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zum Plattenepithelkarzinom

Ist ein Plattenepithelkarzinom gefährlich?

Bei frühzeitiger Erkennung und vollständiger operativer Entfernung ist die Prognose sehr gut. In fortgeschrittenen Stadien – bei großer Tumordicke, ungünstiger Lokalisation oder Immunsuppression – kann es jedoch metastasieren. Regelmäßige Vorsorge und frühzeitige Behandlung der Vorstufen sind der beste Schutz.

Wie erkenne ich ein Plattenepithelkarzinom?

Typisch sind raue, verhornende, leicht erhabene Stellen auf sonnengeschädigter Haut, die nicht abheilen, langsam wachsen und gelegentlich bluten oder krusten. Jede Hautveränderung, die über 4 Wochen besteht, sollte fachärztlich abgeklärt werden.

Was ist der Unterschied zum Basalzellkarzinom?

Beide entstehen durch chronische UV-Schädigung. Das Basalzellkarzinom wächst langsam und metastasiert fast nie. Das Plattenepithelkarzinom wächst oft schneller und kann in seltenen Fällen streuen – deshalb ist die vollständige Entfernung hier besonders wichtig, und bei Risikotumoren ist eine weiterführende Diagnostik nötig.

Was ist Morbus Bowen?

Die Frühform des Plattenepithelkarzinoms – ein Carcinoma in situ, das noch auf die Oberhaut begrenzt ist und nicht in die Tiefe wächst. Die Prognose ist exzellent. Neben der OP kommen PDT, Kryotherapie und topische Verfahren infrage.

Übernimmt die Versicherung die Kosten?

Die Diagnostik, operative Behandlung und Nachsorge des Plattenepithelkarzinoms sind medizinisch notwendige Leistungen und werden von privaten Krankenversicherungen vollständig übernommen. Bei beruflicher UV-Belastung kann eine Anerkennung als Berufskrankheit möglich sein.

Wie entsteht ein Plattenepithelkarzinom?

In den meisten Fällen durch jahrelange UV-Belastung. Die typische Entwicklung verläuft über aktinische Keratosen zum Morbus Bowen und schließlich zum invasiven Karzinom. Seltener entstehen sie auf chronischen Wunden, Narben oder unter Immunsuppression.

Muss ich nach der OP zur Nachsorge?

Ja – mindestens 5 Jahre. Das Risiko für ein lokales Rezidiv und für weitere Plattenepithelkarzinome und Basaliome ist nach einem ersten Tumor deutlich erhöht. Bei Hochrisiko-Tumoren gehört auch die Lymphknotensonographie zur Nachsorge.

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