Dermatologie

Periorale Dermatitis – die Erkrankung der überpflegten Haut

Die Ursache ist meist eine überforderte Hautbarriere: zu viele Pflegeprodukte, reichhaltige Cremes, Kosmetik mit vielen Inhaltsstoffen, häufiger Produktwechsel. Die Haut quillt auf, die Barriere bricht, es entsteht eine Entzündung. Kortisonhaltige Cremes – oft in bester Absicht aufgetragen – verschlimmern das Bild: Kurzfristig wird es besser, nach dem Absetzen deutlich schlimmer. Ein Teufelskreis.

Weitere Auslöser: Fluoridhaltige Zahnpasta, Mundspülungen, hormonelle Verhütung, Stress, UV-Strahlung. Die periorale Dermatitis ist keine Infektion, keine Allergie und keine Akne – wird aber oft mit beidem verwechselt und dann falsch behandelt.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Sichere Diagnose – Abgrenzung zu Rosacea, Akne, seborrhoischem Ekzem und Kontaktallergie.
  • Nulltherapie als Basis – konsequenter Verzicht auf Pflege und Kosmetik im betroffenen Areal.
  • Gezielte medikamentöse Therapie – wenn nötig, antientzündlich, ohne Kortison.
  • Kortison-Stopp mit Begleitung – wir führen Sie durch die Absetzphase, die vorübergehend schlechter wird.
  • Rückfallprävention – ein Pflegekonzept, das die Haut nicht wieder überfordert.
  • Meist Frauen zwischen 20 und 45 – oft nach Kosmetikwechsel, Kortison oder in Stressphasen.
Fakten

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Klinische Untersuchung – typisches Bild mit freiem Lippensaum, Anamnese der Pflegegewohnheiten
Therapie Stufe 1
Nulltherapie – alle Cremes, Make-up, Kosmetik absetzen, nur Wasser zur Reinigung
Therapie Stufe 2
Antientzündliche Cremes ohne Kortison, bei schwerem Verlauf antientzündliche Tabletten über 4 bis 8 Wochen
Kortison
Absetzen – mit Aufklärung über die vorübergehende Verschlechterung
Verlauf
Erste Besserung nach 2 bis 4 Wochen, Abheilung nach 6 bis 12 Wochen
Kontrolle
Nach 4 Wochen, dann nach Bedarf
Ablauf

Ihre Behandlung in 3 Schritten

  1. 1

    Diagnose und Aufklärung

    Die periorale Dermatitis ist eine Blickdiagnose für den erfahrenen Dermatologen – das typische Bild mit dem freien Lippensaum ist charakteristisch. Wir fragen nach Pflegeprodukten, Kortison, Zahnpasta, Verhütung. Und wir erklären, warum weniger Pflege der Weg zur Heilung ist – denn das ist für viele Patienten zunächst schwer zu akzeptieren.

  2. 2

    Nulltherapie und Medikamente

    Alle Cremes, Make-up und Kosmetik im betroffenen Areal absetzen. Reinigung nur mit lauwarmem Wasser. Bei stärkerer Ausprägung ergänzen wir eine antientzündliche Creme ohne Kortison – oder bei schwerem Verlauf antientzündliche Tabletten über einige Wochen. Wurde Kortison verwendet, klären wir über die Absetzphase auf: Die Haut wird zunächst schlechter, bevor sie besser wird – das gehört dazu.

  3. 3

    Abheilung und Pflegekonzept

    Nach 6 bis 12 Wochen ist die Haut meist abgeheilt. Jetzt geht es darum, dass es so bleibt: Wir stellen ein minimalistisches Pflegekonzept zusammen – wenige, reizarme Produkte, keine reichhaltigen Cremes, kein Kortison. Bei Neigung zu Rückfällen bleibt das Konzept dauerhaft.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Die periorale Dermatitis ist die Erkrankung, bei der ich meinen Patientinnen sagen muss: Tun Sie weniger. Das fällt schwer – wir sind es gewohnt, Probleme mit Produkten zu lösen. Aber hier ist das Absetzen die Therapie. Wer das konsequent durchhält, wird belohnt.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Periorale Dermatitis, Rosacea oder Akne – die Abgrenzung / Nulltherapie – so kommen Sie durch die ersten Wochen

Periorale Dermatitis: Kleine Papeln und Pusteln um Mund und Nase, freier Saum an der Lippe, oft Schuppung, Brennen. Frauen 20 bis 45. Auslöser: Pflege, Kortison. Therapie: weniger Pflege.

Rosacea: Rötungen, Flush, Äderchen, Papeln im zentralen Gesicht – Wangen, Nase, Stirn. Kein freier Lippensaum. Ab 30. Auslöser: Sonne, Hitze, Alkohol. Therapie: Gefäßlaser, antientzündlich.

Akne: Mitesser als Grundläsion, Papeln und Pusteln – auch Rücken und Brust. Jugendliche und junge Erwachsene. Auslöser: Hormone, Talg. Therapie: Retinoide, antibakteriell.

Seborrhoisches Ekzem: Fettige gelbliche Schuppen auf Rötung – Nasenfalten, Augenbrauen, Kopfhaut. Kein freier Lippensaum. Therapie: antimykotisch.

Die Verwechslung mit Akne oder Rosacea führt zu falscher Therapie – und die verschlimmert die periorale Dermatitis.

Alles absetzen: Cremes, Seren, Öle, Make-up, Sonnencreme, Lippenpflege im Areal. Ja, alles. Auch das „eine Produkt, das immer gut war“.

Nur Wasser: Morgens und abends mit lauwarmem Wasser reinigen. Kein Reinigungsgel, kein Mizellenwasser, keine Tücher.

Nicht anfassen: Nicht drücken, nicht kratzen, nicht mit den Fingern über die Stellen fahren.

Zahnpasta wechseln: Fluoridfreie Zahnpasta ohne Aromen für die Behandlungszeit. Nach dem Zähneputzen Mundbereich mit Wasser abspülen.

Schwarztee-Umschläge: Bei Spannen und Brennen: abgekühlten Schwarztee auf ein Tuch, 10 Minuten auflegen. Beruhigt ohne Wirkstoffe.

Geduld: Die ersten 1 bis 2 Wochen wird es oft schlimmer, bevor es besser wird – besonders nach Kortison. Durchhalten. Nach 3 bis 4 Wochen sieht man die Wende.

Sonne meiden: Da Sonnencreme abgesetzt ist, in dieser Zeit Schatten suchen, Hut tragen.

Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zur perioralen Dermatitis

Warum wird es nach dem Absetzen erst schlimmer?

Weil die Haut sich von der Überpflegung entwöhnen muss – und besonders nach Kortison ein Rebound eintritt. Diese Verschlechterung dauert 1 bis 2 Wochen und ist ein Zeichen, dass die Therapie greift. Durchhalten lohnt sich.

Ist periorale Dermatitis ansteckend?

Nein. Sie ist keine Infektion, sondern eine Reaktion der Hautbarriere. Nicht übertragbar.

Darf ich gar keine Sonnencreme benutzen?

Während der Nulltherapie nicht im betroffenen Areal. Schützen Sie sich stattdessen mit Hut und Schatten. Nach der Abheilung: leichte, mineralische Sonnencreme ohne Duftstoffe.

Wie lange dauert die Behandlung?

Erste Besserung nach 2 bis 4 Wochen, Abheilung nach 6 bis 12 Wochen. Wer Kortison verwendet hat, braucht länger.

Kommt die periorale Dermatitis wieder?

Sie kann – wenn die Haut wieder überpflegt wird. Wer nach der Abheilung beim minimalistischen Pflegekonzept bleibt, hat gute Chancen, dauerhaft frei zu bleiben.

Was ist der Unterschied zu Rosacea?

Rosacea betrifft das zentrale Gesicht mit Rötungen, Flush und Äderchen – ohne freien Lippensaum. Periorale Dermatitis sitzt um Mund und Nase mit freiem Saum an der Lippe und kleinen Papeln. Die Therapien sind grundverschieden.

Werden die Kosten übernommen?

Die fachärztliche Diagnostik und Therapie werden von privaten Krankenversicherungen übernommen.

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