Dermatologie

Ekzem ist nicht gleich Ekzem

Ein Ekzem ist eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion der Haut – mit Rötung, Schuppung, Bläschen, Nässen oder Rissen, fast immer mit Juckreiz. Was auf der Haut gleich aussieht, hat oft völlig verschiedene Ursachen. Ein Handekzem bei einer Friseurin (Kontaktallergie auf Haarfarbe) braucht eine andere Therapie als das Handekzem einer Pflegekraft (Abnutzung durch häufiges Waschen) oder das eines Neurodermitikers (Veranlagung).

Deshalb beginnt jede Ekzembehandlung bei uns mit der Frage: Warum? Berufsanamnese, Kontaktstoffe, Allergietest, Hautbarriere – erst wenn die Ursache klar ist, wird die Therapie wirksam und nachhaltig.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursachensuche vor Therapie – Allergietest, Berufsanamnese, Kontaktstoffanalyse.
  • Alle Ekzemformen – Kontaktekzem, Handekzem, seborrhoisches, nummuläres, dyshidrotisches Ekzem.
  • Handekzem als Berufskrankheit – wir kennen die Meldewege und begleiten das Verfahren.
  • Stufentherapie – von Barrierepflege über Kortison bis Lichttherapie und Systemtherapie.
  • Schutz- und Pflegekonzept für den Alltag – damit das Ekzem nicht zurückkommt.
  • Nicht ansteckend – ein Ekzem ist eine Entzündung, keine Infektion, und kann nicht übertragen werden.
Fakten

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Klinische Untersuchung, Anamnese (Beruf, Hobbys, Kontaktstoffe), Epikutantest bei Allergieverdacht
Therapie akut
Antientzündliche Cremes, bei Nässen austrocknende Umschläge, bei Rissen Wundpflege
Therapie chronisch
Barriestärkung, proaktive Therapie, Lichttherapie (UVB, bei Handekzem PUVA-Bad)
Systemtherapie
Bei schwerem chronischem Handekzem orale Retinoide oder Biologika
Berufsdermatologie
Hautarztverfahren, Schutzmaßnahmen, ggf. Anerkennung als Berufskrankheit
Kontrolle
Alle 4 bis 8 Wochen bis zur Abheilung, dann nach Bedarf
Ablauf

Ihre Behandlung in 3 Schritten

  1. 1

    Ursachensuche

    Ausführliche Anamnese: Beruf, Hobbys, Pflegeprodukte, Kontaktstoffe, Verlauf. Klinische Untersuchung des Verteilungsmusters. Bei Allergieverdacht Epikutantest über 3 Tage – der Standard, um Kontaktallergene zu identifizieren. Bei Bedarf Abstrich zum Ausschluss einer Infektion.

  2. 2

    Gezielte Therapie

    Akute Phase: antientzündliche Cremes in angepasster Stärke, bei nässendem Ekzem feuchte Umschläge, bei Rissen spezielle Wundpflege. Chronische Phase: Barrierestärkung, proaktive Therapie an Problemstellen, ggf. Lichttherapie. Bei schwerem Handekzem, das auf Cremes nicht anspricht: Systemtherapie.

  3. 3

    Schutz und Prävention

    Das Ekzem heilt nur dauerhaft, wenn der Auslöser wegfällt. Wir erstellen ein individuelles Schutz- und Pflegekonzept: Welche Handschuhe, welche Reinigung, welche Pflege, welche Stoffe meiden. Bei beruflichem Handekzem leiten wir das Hautarztverfahren ein – Schutzmaßnahmen und Pflegeprodukte werden dann von der Berufsgenossenschaft übernommen.

Überblick

Die häufigsten Ekzemformen

Kontaktekzem (allergisch)

Reaktion auf einen bestimmten Stoff – Nickel, Duftstoffe, Konservierungsmittel, Haarfarbe, Latex. Tritt dort auf, wo der Stoff die Haut berührt. Der Epikutantest identifiziert den Auslöser – dann heißt es: meiden.

Kontaktekzem (irritativ)

Keine Allergie, sondern Abnutzung: Häufiges Händewaschen, Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Nässe. Typisch bei Pflegeberufen, Friseuren, Reinigungskräften, Köchen. Die Barriere ist überfordert – Schutz und Pflege stellen sie wieder her.

Handekzem

Kann allergisch, irritativ, atopisch oder gemischt sein – oft alles zusammen. Betrifft 10 Prozent der Bevölkerung, chronisch bei vielen. Beeinträchtigt Beruf und Alltag erheblich. Bei schwerem chronischem Verlauf gibt es heute wirksame Systemtherapien.

Dyshidrotisches Ekzem

Juckende Bläschen an Handflächen, Fingerseiten und Fußsohlen. Schubweise, oft stressgetriggert. Wird häufig mit Pilz verwechselt.

Seborrhoisches Ekzem

Fettige, gelbliche Schuppen auf geröteter Haut – Kopfhaut, Augenbrauen, Nasenfalten, Brust. Zusammenhang mit einem Hefepilz. Chronisch, aber gut behandelbar.

Nummuläres Ekzem

Münzförmige, scharf begrenzte Ekzemherde an Armen und Beinen. Oft bei trockener Haut, im Winter schlimmer. Wird häufig als Pilz oder Psoriasis fehlgedeutet.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Bei Ekzemen ist die Diagnose die halbe Therapie. Ich sehe oft Patienten, die seit Jahren Cremes wechseln, ohne dass jemand nach dem Auslöser gefragt hat. Ein Epikutantest, eine gründliche Anamnese – und plötzlich wird klar, warum nichts geholfen hat.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Handschutz im Alltag – so schützen Sie Ihre Hände

  • Handschuhe bei Nassarbeit: Baumwollhandschuhe unter Gummihandschuhen – nie länger als 20 Minuten am Stück, sonst schwitzt die Haut.
  • Händewaschen richtig: Lauwarm, mit mildem seifenfreiem Syndet, gründlich abtrocknen – besonders zwischen den Fingern. Desinfizieren statt waschen, wo möglich – es ist hautschonender.
  • Cremen nach jedem Waschen: Eine Tube in der Tasche, eine am Waschbecken, eine im Auto. Handcreme ohne Duftstoffe, im Winter fetter.
  • Ringe ab bei der Arbeit: Unter Ringen sammeln sich Wasser, Seife und Reizstoffe – ein klassischer Ekzem-Auslöser.
  • Nachts intensiv pflegen: Dicke Fettcreme auftragen, Baumwollhandschuhe darüber – die Haut regeneriert über Nacht.
  • Reizstoffe meiden: Kein direkter Kontakt mit Reinigern, Lösungsmitteln, Zitrusfrüchten, rohen Zwiebeln.
Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zu Ekzemen

Was ist der Unterschied zwischen Ekzem und Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine bestimmte Form des Ekzems – das atopische Ekzem, das auf einer Veranlagung beruht. Ekzem ist der Oberbegriff für alle nicht-infektiösen Hautentzündungen. Ein Kontaktekzem ist kein Neurodermitis-Ekzem, sieht aber ähnlich aus.

Wie funktioniert ein Epikutantest?

Verdächtige Stoffe werden in kleinen Kammern auf den Rücken geklebt und 2 Tage belassen. Nach 2 und 3 Tagen lesen wir ab, ob die Haut reagiert hat. So identifizieren wir Kontaktallergene wie Nickel, Duftstoffe oder Konservierungsmittel.

Ist mein Handekzem eine Berufskrankheit?

Wenn es durch berufliche Belastung entstanden ist oder sich verschlechtert – ja, möglicherweise. Wir leiten das Hautarztverfahren ein: Die Berufsgenossenschaft übernimmt dann Schutzmaßnahmen, Pflegeprodukte und Therapie. Bei schweren Fällen kann eine Anerkennung als Berufskrankheit erfolgen.

Kann ich mit Ekzem weiterarbeiten?

In den meisten Fällen ja – mit den richtigen Schutzmaßnahmen. Bei schwerem beruflichem Handekzem kann eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit nötig sein, damit die Haut abheilt.

Warum kommt mein Ekzem immer wieder?

Weil der Auslöser noch da ist. Cremes behandeln die Entzündung, aber nicht die Ursache. Erst wenn Allergen oder Reizstoff gemieden werden und die Barriere stabil ist, bleibt die Haut gesund.

Hilft Kortison bei Ekzemen?

Ja – bei akuten Schüben ist Kortison hochwirksam und bei richtiger Anwendung sicher. Es ersetzt aber nicht die Ursachensuche. Dauerhaft täglich angewendet, dünnt es die Haut aus – deshalb kurz und gezielt, dann Barrierepflege.

Werden die Kosten übernommen?

Die fachärztliche Diagnostik inklusive Epikutantest und die Therapie werden von privaten Krankenversicherungen übernommen. Bei beruflichem Handekzem trägt die Berufsgenossenschaft die Kosten für Schutz und Pflege.

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