Dermatologie

Psoriasis – mehr als eine Hauterkrankung

Bei Psoriasis läuft die Hauterneuerung auf Hochtouren: Statt in 28 Tagen erneuert sich die Oberhaut in 4 bis 7 Tagen. Die Zellen häufen sich an, verhornen unvollständig und bilden die typischen silbrigen Schuppen. Ursache ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems auf genetischer Basis – ausgelöst oder verstärkt durch Infekte, Stress, Medikamente, Alkohol, Rauchen oder Hautverletzungen.

Psoriasis ist eine Systemerkrankung: Bei bis zu 30 Prozent der Patienten sind auch die Gelenke betroffen (Psoriasis-Arthritis), häufig die Nägel. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Depression ist erhöht. Deshalb behandeln wir nicht nur die Haut, sondern denken an den ganzen Menschen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Alle Formen – Plaque-Psoriasis, Kopfhaut, Nägel, Guttata, Inverse, Pustulosa.
  • Stufentherapie nach Leitlinie – topisch, Lichttherapie, konventionelle Systemtherapie, Biologika.
  • Biologika bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis – nahezu erscheinungsfreie Haut ist heute realistisch.
  • Gelenke im Blick – wir screenen auf Psoriasis-Arthritis und arbeiten mit Rheumatologen zusammen.
  • Kopfhaut- und Nagelpsoriasis – schwer behandelbare Areale, für die wir spezielle Konzepte haben.
  • Therapiewahl nach Ihrem Leben – Kinderwunsch, Reisen, Beruf fließen in die Medikamentenauswahl ein.
Fakten

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Klinische Untersuchung, PASI-Score, Nagelbeurteilung, Gelenkscreening, bei Bedarf Biopsie und Labor
Leichte Psoriasis
Topische Therapie – Vitamin-D-Analoga, Kortison, Kombinationen; Kopfhaut-Lösungen
Mittelschwere Psoriasis
Lichttherapie (UVB-Schmalband) 2 bis 3 Mal wöchentlich oder Systemtherapie
Schwere Psoriasis
Biologika (Spritze alle 4 bis 12 Wochen) oder moderne orale Systemtherapie
Erste Besserung
Topisch nach 2 bis 4 Wochen, Biologika nach 4 bis 8 Wochen, oft deutlich schneller
Kontrolle
Alle 4 bis 12 Wochen, unter Systemtherapie mit Laborkontrollen
Ablauf

Ihre Behandlung in 3 Schritten

  1. 1

    Diagnostik und Schweregrad

    Klinische Untersuchung, PASI-Score zur Schweregradbestimmung, Beurteilung von Nägeln und Kopfhaut. Wir fragen nach Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit, Begleiterkrankungen. Bei unklarem Bild sichern wir die Diagnose durch Biopsie.

  2. 2

    Therapie nach Stufenschema

    Leichte Psoriasis: topische Therapie mit Kombinationspräparaten. Mittelschwere: Lichttherapie oder konventionelle Systemtherapie. Schwere oder therapieresistente Psoriasis: Biologika – sie greifen gezielt in die Entzündungskaskade ein und erreichen bei den meisten Patienten eine Verbesserung um 90 Prozent oder mehr. Wir wählen das Medikament nach Ihrem Profil aus – Begleiterkrankungen, Kinderwunsch, Lebensstil.

  3. 3

    Langzeitbetreuung

    Psoriasis ist chronisch – die Therapie auch. Regelmäßige Kontrollen mit Anpassung der Therapie, Laborkontrollen unter Systemtherapie, Gelenkscreening, Aufmerksamkeit für Begleiterkrankungen. Bei Gelenkbeteiligung arbeiten wir mit Rheumatologen zusammen.

Überblick

Psoriasis-Formen

Plaque-Psoriasis

Die häufigste Form (80 Prozent): scharf begrenzte, rote Plaques mit silbrigen Schuppen an Ellenbogen, Knien, Kreuzbein und Kopfhaut.

Kopfhaut-Psoriasis

Schuppende, juckende Kopfhaut, oft über den Haaransatz hinaus. Wird häufig als Schuppen oder seborrhoisches Ekzem verkannt. Braucht spezielle Lösungen und Shampoos.

Nagelpsoriasis

Tüpfelnägel, Ölflecken, Verdickung, Ablösung. Betrifft 50 Prozent der Patienten – und ist ein Warnzeichen für Gelenkbeteiligung. Schwer topisch behandelbar, spricht gut auf Systemtherapie an.

Psoriasis guttata

Kleine, tropfenförmige Herde am Rumpf, oft nach Streptokokken-Infekt. Betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. Kann abheilen oder in Plaque-Psoriasis übergehen.

Psoriasis inversa

In Hautfalten – Achseln, Leisten, unter der Brust, Gesäßfalte. Glänzend rot, kaum Schuppen. Wird oft als Pilz fehlgedeutet.

Psoriasis pustulosa

Sterile Pusteln an Handflächen und Fußsohlen oder generalisiert. Seltene, schwere Form – braucht Systemtherapie.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Psoriasis ist eine Erkrankung, bei der sich die Medizin in den letzten 15 Jahren grundlegend verändert hat. Was früher als schwer behandelbar galt, ist heute mit modernen Biologika kontrollierbar – oft bis zur erscheinungsfreien Haut. Meine Aufgabe ist es, für jeden Patienten die Therapie zu finden, die zu seinem Leben passt.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Was Sie selbst tun können

Basispflege täglich: Rückfettende Pflege reduziert Schuppung und Juckreiz. Salicylsäure- oder Urea-haltige Produkte lösen Schuppen.

Trigger kennen: Infekte, Stress, Alkohol, Rauchen, bestimmte Medikamente (Betablocker, Lithium). Was Ihre Schübe auslöst, gehört ins Tagebuch.

Verletzungen vermeiden: Kratzen, Reiben, Sonnenbrand – jede Hautverletzung kann neue Herde auslösen (Köbner-Phänomen).

Gewicht und Bewegung: Übergewicht verschlechtert Psoriasis und schwächt die Wirkung von Biologika. Bewegung reduziert Entzündung.

Sonne in Maßen: Moderate UV-Strahlung hilft. Sonnenbrand schadet. Im Winter ist die Lichttherapie in der Praxis der Ersatz.

Auf Gelenke achten: Morgensteifigkeit, geschwollene Finger, Rückenschmerzen – bitte melden. Früh behandelte Psoriasis-Arthritis hinterlässt keine Schäden.

Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zur Psoriasis

Ist Psoriasis ansteckend?

Nein. Psoriasis ist eine Autoimmunerkrankung und nicht übertragbar – auch nicht bei Hautkontakt, Schwimmbad oder gemeinsamen Handtüchern.

Ist Psoriasis heilbar?

Nicht heilbar, aber sehr gut kontrollierbar. Mit modernen Therapien erreichen viele Patienten eine erscheinungsfreie Haut, solange die Therapie fortgeführt wird.

Was sind Biologika und wann kommen sie infrage?

Gezielt wirkende Medikamente, die bestimmte Botenstoffe der Entzündung blockieren – als Spritze alle 4 bis 12 Wochen. Sie sind indiziert bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, wenn topische Therapie und Licht nicht ausreichen. Die Wirkung ist oft beeindruckend.

Ist Psoriasis vererbbar?

Die Veranlagung ja. Wenn ein Elternteil betroffen ist, liegt das Risiko bei etwa 15 Prozent, bei beiden Eltern bei 50 Prozent. Ob die Erkrankung ausbricht, hängt von Triggern ab.

Kann Psoriasis die Gelenke betreffen?

Ja – bei bis zu 30 Prozent der Patienten. Psoriasis-Arthritis kann Finger-, Zehen-, Wirbelsäulen- und große Gelenke betreffen. Früh erkannt und behandelt, lassen sich bleibende Schäden verhindern. Deshalb fragen wir bei jedem Termin nach Gelenkbeschwerden.

Hilft eine Diät bei Psoriasis?

Keine spezielle Diät heilt Psoriasis. Aber: Gewichtsreduktion bei Übergewicht, weniger Alkohol und eine entzündungsarme, mediterrane Ernährung können den Verlauf verbessern.

Werden die Kosten übernommen?

Die fachärztliche Diagnostik und alle Therapiestufen inklusive Lichttherapie und Biologika werden von privaten Krankenversicherungen übernommen.

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