Dermatologie

Melanom – so erkennen Sie Warnzeichen

Die ABCDE-Regel hilft bei der Selbstuntersuchung: A wie Asymmetrie (ungleichmäßige Form), B wie Begrenzung (unscharf, ausgefranst), C wie Colour (mehrere Farbtöne, schwarz, braun, rötlich, weißlich), D wie Durchmesser (über 5 mm), E wie Evolution (Veränderung in Größe, Form, Farbe, Erhabenheit, Blutung, Juckreiz). Besonders verdächtig: das ‚hässliche Entlein' – ein Muttermal, das anders aussieht als alle anderen.

Melanome entstehen zu etwa 30 Prozent aus bestehenden Muttermalen, zu 70 Prozent neu auf unauffälliger Haut. Sie können überall auftreten – auch an Stellen, die nie Sonne sehen: Fußsohlen, Handflächen, unter den Nägeln, Schleimhäute. Die ABCDE-Regel gibt Hinweise, ersetzt aber nicht die fachärztliche Dermatoskopie.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Gefährlichster Hautkrebs – kann früh metastasieren, deshalb zählt jede Woche.
  • Sehr gut heilbar bei Früherkennung – Tumordicke entscheidet über die Prognose.
  • Dermatoskopie plus KI-Analyse – erkennt Melanome, bevor sie mit bloßem Auge auffallen.
  • Digitale Verlaufskontrolle – minimale Veränderungen werden im Bildvergleich sichtbar.
  • Leitliniengerechte Therapie – Exzision mit Sicherheitsabstand, bei Bedarf Anbindung an Hautkrebszentrum.
Fakten

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Dermatoskopie, KI-gestützte Bildanalyse, digitale Verlaufskontrolle
Bei Verdacht
Vollständige Exzision (keine Teilbiopsie) mit Histologie
Therapie
Nachexzision mit leitliniengerechtem Sicherheitsabstand nach Tumordicke (Breslow)
Ab 1 mm Tumordicke
Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (bei Risikofaktoren ab 0,75 mm), stadienabhängiges Staging, ggf. Anbindung an Hautkrebszentrum
Systemtherapie bei Bedarf
Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren), zielgerichtete Therapie (BRAF/MEK)
Nachsorge
Strukturiert über 10 Jahre, engmaschig in den ersten 5 Jahren
Ablauf

Ihre Behandlung in 4 Schritten

  1. 1

    Frühdiagnostik

    Mit Auflichtmikroskopie und KI-gestützter Bildanalyse beurteilen wir Pigmentmuster, Asymmetrien, Gefäßstrukturen und Regressionszeichen. Die digitale Bildspeicherung ermöglicht bei Kontrollen den exakten Vergleich. Bei jedem auffälligen Befund empfehlen wir die vollständige operative Entfernung (Exzisionsbiopsie) – Teilbiopsien werden beim Melanomverdacht vermieden.

  2. 2

    Operative Entfernung

    Bestätigt die Histopathologie ein Melanom, richtet sich das Vorgehen nach der Tumordicke (Breslow-Dicke) und weiteren Faktoren. Die Nachexzision erfolgt mit leitliniengerechtem Sicherheitsabstand (0,5 bis 2 cm). Bei dünneren Melanomen führen wir den Eingriff in unserer Praxis durch, bei dickeren Tumoren koordinieren wir die Anbindung an ein zertifiziertes Hautkrebszentrum.

  3. 3

    Weiterführende Diagnostik

    Ab 1 mm Tumordicke wird eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie empfohlen – bei Risikofaktoren wie Ulzeration oder erhöhter Mitoserate bereits ab 0,75 mm. Je nach Tumorstadium folgt eine Staging-Diagnostik mit Bildgebung und Laborwerten. Bei Lymphknotenbeteiligung oder fortgeschrittenem Stadium koordinieren wir die Vorstellung in einem dermato-onkologischen Zentrum – dort stehen moderne Systemtherapien zur Verfügung: Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) und zielgerichtete Therapien (BRAF/MEK-Inhibitoren).

  4. 4

    Strukturierte Nachsorge

    Die Melanom-Nachsorge folgt einem festen Schema nach Tumorstadium. In den ersten 5 Jahren sind engmaschige Kontrollen essenziell – mit klinischer Untersuchung, Dermatoskopie und bei Bedarf Lymphknotensonographie. Wir führen die Nachsorge in unserer Praxis durch und erinnern Sie über unser Recall-System an jeden Termin.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Das Melanom ist ein Tumor, bei dem die Früherkennung über alles entscheidet. Die Dermatoskopie mit KI-Unterstützung gibt uns heute die Möglichkeit, Veränderungen in einem Stadium zu erkennen, in dem die Heilungschancen exzellent sind. Genau deshalb empfehle ich die regelmäßige Hautkrebsvorsorge.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Melanom-Typen und was sie unterscheidet

Superfiziell spreitendes Melanom (SSM): Der häufigste Typ (ca. 60 Prozent). Wächst zunächst flach und horizontal – oft über Monate bis Jahre. Gute Chance auf Früherkennung.

Noduläres Melanom: Wächst schnell in die Tiefe, oft als knotige, dunkle Erhebung. Aggressiver, weil die Tumordicke schnell zunimmt.

Lentigo-maligna-Melanom: Bei älteren Menschen an chronisch sonnenexponierten Stellen im Gesicht. Wächst lange flach, kann aber invasiv werden.

Akrolentiginöses Melanom: An Handflächen, Fußsohlen und unter den Nägeln – auch bei dunklen Hauttypen. Wird oft spät erkannt, weil niemand dort hinschaut.

Amelanotisches Melanom: Ohne Pigment, hautfarben bis rötlich – schwer zu erkennen, weil es nicht wie ein ‚typisches' Melanom aussieht.

Selbstuntersuchung – so prüfen Sie Ihre Haut zwischen den Terminen

  • Einmal im Monat, bei gutem Licht: Vor einem großen Spiegel, mit einem Handspiegel für Rücken, Gesäß und Kniekehlen. Idealerweise nach dem Duschen.
  • Systematisch vorgehen: Gesicht, Ohren, Kopfhaut (mit Föhn oder Kamm scheiteln), Hals, Brust, Bauch, Arme, Hände (auch Handflächen und zwischen den Fingern), Rücken, Gesäß, Beine, Füße (Sohlen, Zehenzwischenräume, unter den Nägeln).
  • Die ABCDE-Regel anwenden: Asymmetrie, unregelmäßige Begrenzung, mehrere Farbtöne, Durchmesser über 5 mm, Veränderung in den letzten Wochen.
  • Das hässliche Entlein suchen: Ein Muttermal, das anders aussieht als alle anderen – größer, dunkler, unregelmäßiger – ist verdächtiger als zehn ähnliche.
  • Fotos machen: Mit dem Smartphone bei gleichem Licht und gleichem Abstand – so erkennen Sie Veränderungen beim Vergleich.
  • Partner einbeziehen: Rücken, Nacken und Kopfhaut sieht man selbst kaum. Bitten Sie jemanden um Hilfe.
  • Im Zweifel zu uns: Lieber einmal zu viel als einmal zu spät. Ein Termin zur gezielten Abklärung ist kurzfristig möglich.
Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zum Melanom

Wie gefährlich ist ein Melanom?

Die Prognose hängt entscheidend von der Tumordicke bei der Erstdiagnose ab. Dünne Melanome (unter 1 mm) haben eine hervorragende Prognose mit über 95 Prozent Heilungsrate. Dickere Melanome können metastasieren und erfordern eine intensivere Therapie.

Kann jeder Mensch ein Melanom bekommen?

Ja. Das Risiko ist bei hellem Hauttyp, vielen Muttermalen und familiärer Belastung erhöht – aber auch dunkle Hauttypen sind nicht ausgeschlossen, insbesondere an Händen, Füßen und unter den Nägeln.

Was bedeutet Breslow-Dicke?

Die Eindringtiefe des Melanoms in Millimetern, gemessen vom obersten Punkt der Haut bis zur tiefsten Tumorzelle. Sie ist der wichtigste Prognosefaktor und bestimmt Sicherheitsabstand, Sentinel-Biopsie und Nachsorge.

Warum keine Probebiopsie beim Melanom?

Eine Teilentnahme kann die Tumordicke verfälschen und die Beurteilung erschweren. Deshalb empfehlen die Leitlinien beim Melanomverdacht die vollständige Entfernung – so erhält der Pathologe den gesamten Tumor.

Wie wird ein Melanom operiert?

Die verdächtige Hautveränderung wird vollständig unter Lokalanästhesie entfernt und histopathologisch untersucht. Bestätigt sich ein Melanom, folgt eine Nachexzision mit Sicherheitsabstand nach Tumordicke.

Was passiert nach der Diagnose?

Wir besprechen den Befund ausführlich mit Ihnen, planen die Nachexzision und koordinieren bei Bedarf Sentinel-Biopsie, Staging und Anbindung an ein Hautkrebszentrum. Die Nachsorge führen wir in unserer Praxis durch.

Kann man einem Melanom vorbeugen?

Konsequenter Sonnenschutz und die Vermeidung von Sonnenbränden – besonders in der Kindheit – senken das Risiko. Die regelmäßige Hautkrebsvorsorge ist der beste Weg, ein Melanom frühzeitig zu erkennen.

Werden die Kosten übernommen?

Diagnostik, operative Entfernung und Nachsorge beim Melanom sind medizinisch notwendige Leistungen und werden von privaten Krankenversicherungen vollständig übernommen.

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