Dermatologie

Vitiligo – wenn das Immunsystem die Pigmentzellen angreift

Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem zerstört die Melanozyten, die Pigmentzellen der Haut. Wo sie fehlen, bleibt die Haut weiß. Die Ursache ist eine genetische Veranlagung, ausgelöst durch Stress, Hautverletzungen, Sonnenbrand oder andere Autoimmunerkrankungen – besonders Schilddrüsenerkrankungen, die bei Vitiligo-Patienten häufiger vorkommen.

Es gibt zwei Hauptformen: Die nicht-segmentale Vitiligo (90 Prozent) tritt symmetrisch an beiden Körperseiten auf und kann sich schubweise ausbreiten. Die segmentale Vitiligo betrifft nur eine Körperseite, beginnt meist früh und bleibt oft stabil. Die Form bestimmt die Prognose und die Therapie.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Autoimmunerkrankung, nicht ansteckend – körperlich harmlos, aber oft psychisch belastend.
  • Ausbreitung stoppen ist das erste Ziel – dann Repigmentierung, wo möglich.
  • Lichttherapie ist der Standard – UVB-Schmalband 2 bis 3 Mal wöchentlich in unserer Praxis.
  • Neue Wirkstoffe – JAK-Inhibitoren als Creme und seit 2025 als Tablette erreichen Repigmentierung, die früher unmöglich war.
  • Gesicht und Hals sprechen am besten an – Hände und Füße sind schwieriger.
  • Schilddrüse mitprüfen – Vitiligo tritt häufig mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.
Auf einen Blick

Ihre Behandlung auf einen Blick

Diagnostik
Klinische Untersuchung, Wood-Licht, Bestimmung der Form und Aktivität, Labor (Schilddrüse, Autoantikörper)
Stufe 1
Topische Therapie – Kortison in Intervallen, Calcineurin-Inhibitoren für Gesicht und Hals, JAK-Inhibitor-Creme
Stufe 2
Lichttherapie – UVB-Schmalband 2 bis 3 Mal wöchentlich über 6 bis 12 Monate
Stufe 3
Kombination Lichttherapie plus topische Therapie – wirksamer als jedes Verfahren allein
Stufe 4
Oraler JAK-Inhibitor (Tablette) bei ausgedehnter nicht-segmentaler Vitiligo – seit 2025 zugelassen, ab 12 Jahren
Erste Repigmentierung
Nach 3 bis 6 Monaten konsequenter Therapie
Kontrolle
Alle 8 bis 12 Wochen, Fotodokumentation
Ablauf

Ihre Behandlung in 3 Schritten

  1. 1

    Diagnostik

    Wood-Licht zeigt auch subtile Herde und die Aktivität. Wir bestimmen die Form (segmental oder nicht-segmental), die Ausdehnung und ob die Vitiligo aktiv ist – neue Flecken, Ausbreitung, Köbner-Phänomen. Labor: Schilddrüsenwerte und Autoantikörper, weil Vitiligo oft mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergeht.

  2. 2

    Therapie nach Aktivität und Ausdehnung

    Aktive Vitiligo: zuerst die Ausbreitung stoppen – mit Kortison in Intervallen, Lichttherapie oder bei ausgedehntem Befall dem oralen JAK-Inhibitor. Stabile Vitiligo: Repigmentierung anstoßen – Lichttherapie plus topische Therapie. Wir erklären, welche Areale gut ansprechen und welche schwierig bleiben.

  3. 3

    Langzeitbetreuung

    Repigmentierung braucht Monate. Regelmäßige Kontrollen mit Fotodokumentation zeigen den Fortschritt. Nach erfolgreicher Therapie Erhaltungstherapie, um Rückfälle zu vermeiden. Wir begleiten Sie langfristig.

Dr. med. Elisângela Wenzel
Vitiligo wurde lange als unheilbar abgetan – Patienten bekamen den Rat, sich damit abzufinden. Das ist heute anders. Mit Lichttherapie, gezielten Cremes und neuen Wirkstoffen erreichen wir bei vielen eine deutliche Repigmentierung. Es braucht Geduld – aber es lohnt sich.
Dr. med. Elisângela Wenzel Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, D.A.L.M.

Welche Therapie bei welcher Vitiligo

Topische Therapie: Kortisonhaltige Cremes in Intervallen bei kleinen, neuen Herden. Kortisonfreie Calcineurin-Inhibitoren für Gesicht, Hals und Hautfalten – ohne Hautausdünnung. Neu: JAK-Inhibitor-Creme, die bei etwa 30 Prozent der Patienten eine deutliche Repigmentierung im Gesicht erreicht – der erste zugelassene Wirkstoff speziell für Vitiligo.

UVB-Schmalband-Lichttherapie: Der Standard bei ausgedehnter Vitiligo. Das Licht aktiviert verbliebene Melanozyten in den Haarfollikeln, die das Pigment zurückbringen. 2 bis 3 Mal wöchentlich in der Praxis, über 6 bis 12 Monate. Gesicht und Rumpf sprechen am besten an.

Kombination: Licht plus Creme ist wirksamer als beides einzeln. Das ist unser Standardkonzept.

Oraler JAK-Inhibitor (Tablette): Seit 2025 die erste zugelassene Systemtherapie speziell für Vitiligo – für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit ausgedehnter nicht-segmentaler Form. Der Wirkstoff blockiert den Entzündungsweg, der die Pigmentzellen zerstört, stabilisiert die Erkrankung und ermöglicht Repigmentierung auch dort, wo Cremes und Licht nicht ausreichen. Unter regelmäßiger Laborkontrolle.

Was Sie selbst tun können

  • Sonnenschutz LSF 50: Pigmentfreie Haut hat keinen Eigenschutz – Sonnenbrand droht und kann neue Herde auslösen (Köbner-Phänomen).
  • Verletzungen vermeiden: Reibung, Kratzen, Druck, enge Kleidung – jede Hautverletzung kann an dieser Stelle einen neuen Vitiligo-Herd auslösen.
  • Vorsichtig bräunen: Moderate Sonne kann die Repigmentierung unterstützen – aber nie bis zur Rötung.
  • Camouflage: Medizinisches Abdeck-Make-up oder Selbstbräuner gleichen den Farbunterschied aus – für viele eine große Erleichterung im Alltag.
  • Stress reduzieren: Stress ist ein anerkannter Trigger für Schübe.
  • Nicht aufgeben: Repigmentierung ist ein langsamer Prozess. Die ersten Pigmentinseln erscheinen oft erst nach Monaten – dann geht es schneller.
  • Psychologische Unterstützung: Vitiligo belastet. Selbsthilfegruppen und bei Bedarf psychologische Begleitung sind Teil einer guten Therapie.
Was sagen unsere Patienten?

Erfahrungen, die Vertrauen schaffen

Häufige Fragen zur Vitiligo

Ist Vitiligo heilbar?

Nicht im Sinne einer vollständigen Heilung – die Veranlagung bleibt. Aber die Ausbreitung lässt sich stoppen und verlorenes Pigment bei vielen Patienten teilweise oder weitgehend zurückgewinnen.

Ist Vitiligo ansteckend?

Nein. Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung und nicht übertragbar.

Welche Körperstellen sprechen am besten an?

Gesicht, Hals und Rumpf – dort sind noch Melanozyten in den Haarfollikeln, die das Pigment zurückbringen. Hände, Füße und Lippen sind schwieriger, weil dort wenige Haarfollikel sind.

Wie lange dauert die Behandlung?

Erste Pigmentinseln nach 3 bis 6 Monaten. Die Lichttherapie läuft 6 bis 12 Monate, manchmal länger. Danach Erhaltung.

Was sind JAK-Inhibitoren bei Vitiligo?

Eine neue Wirkstoffklasse, die den Angriff des Immunsystems auf die Pigmentzellen blockiert. Als Creme seit 2023 zugelassen, als Tablette seit 2025 – die ersten Therapien speziell für Vitiligo. Die Creme erreicht bei etwa 30 Prozent eine deutliche Repigmentierung im Gesicht, die Tablette wirkt auch bei ausgedehntem Befall am Körper.

Hat Vitiligo mit der Schilddrüse zu tun?

Ja – Vitiligo-Patienten haben häufiger Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto). Deshalb prüfen wir die Schilddrüsenwerte bei der Diagnose.

Kann sich Vitiligo von selbst zurückbilden?

Selten – bei etwa 10 Prozent tritt eine spontane Teilrepigmentierung auf, besonders im Sommer. Verlassen sollte man sich darauf nicht.

Werden die Kosten übernommen?

Vitiligo ist eine medizinische Erkrankung. Diagnostik, Lichttherapie und Medikamente werden von privaten Krankenversicherungen übernommen.

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